Haus Holtwick

Das Torhaus von Haus Holtwick lässt eine sehr lange Geschichte lebendig werden. Umsäumt von alten Eichen erinnert das älteste Gebäude der Ortschaft Holtwick in besonderer Weise an die frühe Siedlungszeit.

Die urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 890 zurück. Der Name der Hofstelle "Haus Holtwick" ist namensgebend für diesen Ort. Hinter dem Torhaus verbirgt sich die Entstehungsgeschichte einer Hofstelle, deren Name nicht allein an die Quelle des Dorfes erinnert.

Das Torhaus ist ein kleines Reststück erhaltener Vergangenheit, das zusammen mit dem alten Baumbestand die Geschichte der frühen Blütezeit und des historischen Alltags erzählen will.

Es bildete den baulichen Auftakt zu einem historischen Gräftenhof, der regionaltypisch für das Münsterland steht. Der Hof war von einer wasserführenden Gräfte umzogen und nur über eine Zugbrücke durch das Torhaus zugänglich.

Der Hof bestand im Westen aus einer barocken Gartenanlage, im Osten aus Haupthaus, Brau- und Backhaus, Pferdestall, Speicher, Remise, Scheune und Hühnerstall. Die Zuwegung war umsäumt von Eichen. Eine Gräftenanlage umzog die burgähnliche Anlage und durchzog weitläufig ganze Dorfteile.

 

Zur Geschichte

Der Name Holtwick wird urkundlich erstmalig im Jahre 890 n. Chr. erwähnt. Unter Holtwick war aber nicht das ganze Kirchspiel zu verstehen, sondern nur der Haupthof Holtwick mit der Bauernschaft, das jetzige "Haus Holtwick" und die Achter- und Dorfbauernschaft. Ein "Dorf" Holtwick gab es damals nicht. Der Ortskern dürfte erst nach der Kirchengründung entstanden sein.

Im Mittelalter bewohnten die Ritter von Bürse, bereits im Jahre 1268 erwähnt, hier eine burgähnliche Anlage, bauliche Überlieferungen sind nicht bekannt.

Im 16. Jahrhundert ausgestorben, übernahmen die Herren von Monnichhausen die Nachfolge. Der Herrensitz Haus Holtwick war zwischenzeitig sehr einflussreich. So lag hier das Recht, die Kirchenrechnung zu revidieren. Haus Holtwick hatte eine Aufsichtsfunktion innerhalb des Dorfes und eine Schutzpflicht gegenüber der Kirche.

Im Jahre 1600 führten die Monnichhausen ihren Besitzstand an die Familie Droste zu Vischering über. Hier hatte die Familie ihren Stammsitz. Aus dem Herrensitz entstand ein bäuerlicher Prachthof.

Heyderich Droste zu Vischering wurde 1670 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. In diesem Jahr wurde das Torhaus erbaut. Er und seine Frau Anna Freifrau Droste zu Vischering lebten auf Haus Holtwick bis zum Tode.

Der besondere Einfluss der Familie und die besondere Verbundenheit dokumentieren sich mit den Grabplatten, die an der Pfarrkiche St. Nikolaus im Ort angebracht sind. 1690  siedelte Christoph Heidenreich Droste zu Vischering in das zuvor erworbene Schloss Darfeld über.

Seit 1769 standen verschiedene Pächter auf Haus Holtwick im Dienste der Familie Droste zu Vischering, die diesen Besitz samt umliegender Liegenschaften 1995 an die Gemeinde Rosendahl zur Ausweisung eines Neubaugebietes veräußerte.

Seit April 2002 wird das Torhaus umsichtig restauriert. Die historische Konstruktion und die geschichtliche Aussagekraft sollen erhalten und nun erlebbar werden.